Zitat hinzufügen

 
Kalt oder heiß - nur nit lau! Schwarz oder Weiß - nur nit Grau! | Bertolt Brecht aus Gedicht 1916
 
Ferne Liebe deine wasserblaue Stimme/ Ein erstickter Ruf/ Im reglosen Nebel bilden sich Farben/ als Antwort auf den Aufruhr der Träume | Habib Tengour aus Seelenperlmutt
 
Ein Herz. Ein ganzes Geheimnis ist ein für alle Mal offengelegt: Es ist dieser unförmige Klumpen, faustgroß und schmutzigweiß. Das ist nämlich die Farbe unseres Körpers, grau-cremeweiß, graubraun, hässlich, das darf man nicht vergessen. Weder in unserem Haus noch in unserem Auto würden wir eine solche Farbe sehen wollen. Das ist die Farbe des Inneren, der Dunkelheit , der Orte, wo die Sonne nicht eindringt, wo sich die Materie im Feuchten vor fremden Blicken verbirgt, da muss sie sich nicht mehr zur Schau stellen. Nur mit dem Blut kann sie sich noch Eskapaden leisten. Das Blut soll warnen, sein Rot soll der Alarm sein, dass die Muschel des Körpers sich geöffnet hat, dass die Geschlossenheit des Gewebes unterbrochen ist. | Olga Tokarczuk aus Unrast
 
Am verstürmten Himmel trieben zerfaserte Wolkenbänder, grau und lila, und ein heftiger Wind empfing mich, als ich am nächsten Vormittag nicht zu früh meine Weiterreise antrat. (...) Bald nach Mittag stand ich ausruhend auf dem höchsten Punkte des Höhenweges, und mein Blick flog suchend und bestürzt über das ungeheuer ausgebreitete Land hinweg. Grüne Berge standen da und weiter entfernt blaue Waldberge und gelbe Felsberge, tausendfach gefaltete Hügelgelände, daher das Hochgebirg mit jähen Steinzacken und bleichen Schneepyramiden. Zu Füßen in seiner ganzen Fläche der große See, meerblau mit weißen Wellenschäumen, zwei vereinzelte flüchtige Segel darauf, geduckt hingleitend, an den grün und braunen Ufern lodernd gelbe Weinberge, farbige Wälder, blanke Landstraßen, Bauerndörfer in Obstbäumen, kahlere Fischerdörfer, hell und dunkel getürmte Städte. Über alles weg bräunliche Wolken fegend, dazwischen Stücke eines tief klaren, grünblau und opalfarben durchleuchteten Himmels, Sonnenstrahlen fächerförmig aufs Gewölk gemalt. Alles bewegt, auch die Bergreihen wie hinflutend und die ungleich beleuchteten Alpengipfel jäh, unstet und springend. (...) Hellgelbe Lichtbündel strahlten vom Rande einer schweren Wolkenbank in die Höhe und gegen Osten. Rasch entzündete sich der ganze Himmel gelbrot, glühend purpurne Streifen durchschnitten den Raum, zur gleichen Zeit wurden alle Berge dunkelblau, an den Seeufern brannte das rötlich welke Ried wie Heidefeuer. Dann verschwand alles Gelb, und das rote Licht wurde warm und milde, spielte paradiesisch um traumzarte, hingehauchte Schleierwölkchen und lief in tausend feinen Adern rosenrot durch mattgraue Nebelwände, deren Grau sich langsam mit dem Rot zu einem unsäglich schönen Lilaton vermischte. Der See wurde tiefblau und nahezu schwarz, die Untiefen in der Nähe der Ufer traten hellgrün mit scharfen Rändern hervor. | Hermann Hesse aus Sturm
 
Spores of bluefern growing in the hollows along the riverbank float toward the water in silver-blue lines hard to see unless you are in or near them, lying right at the river’s edge when the sunshots are low and drained. Often they are mistook for insects — but they are seeds in which the whole generation sleeps confident of a future. And for a moment it is easy to believe each one has one — will become all of what is contained in the spore: will live out its days as planned. This moment of certainty lasts no longer than that; longer, perhaps, than the spore itself. | Toni Morrison aus Beloved
 
Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün. | Erich Kästner aus Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn
 
Der Name eines Dorfes - Biscarrosse-Plage - löste einen Malstrom an Bildern in mir aus, die sich so rasch abspulten, dass ich nur die Farben mitbekam, den blass-orangefarbenen Sand, die weißen Schaumkronen und die hellgrünen Fensterläden eines Hauses. | Jean-Philippe Blondel aus Ein Winter in Paris
 
Sie steigen auf, die Schmetterlinge des Planeten, wie Farbenstaub vom warmen Körper der Erde, Zinnober, Ocker, Gold und Phosphorgelb, ein Schwarm von chemischem Grundstoff hochgehoben | Inger Christensen aus Das Schmetterlingstal
 
Die rote Erde aber hier ist ein Schmuckstück. In den Parks hier am Meer Blumenrabatten in Rot und Violett zum Beispiel von grünem ornamentalem Rasen umgeben auf Rother Erde - diese sieht ganz wahnwitzig aus. Oder so ein Trampelpfad in Rot über die Wiesen zum Horizont- sehr wundersam isses. Und der beleuchtete Horizont gestern Abend zur Sonnenuntergangszeit - einfach irre. Auch die Terrakotten aus der Zeit der Jahrhundertwende im Museum, das Rot und nur sehr sparsam Farbe drum - ne türkisene Linie oder a bisserl schwarz. | Sarah Kirsch aus Aenglisch
 
Den kostbarsten Lapislazuli fand man tief in Bergwerken in Persien, wo er von auserwählten, besonders kleinwüchsigen Bergleuten gefunden und vorsichtig aus dem Felsen gelöst würde. Die Bergleute durften nicht höher gewachsen sein als ein Kind von etwa meiner Größe, doch mussten sie all die Klugheit und Umsicht der Weisen haben, um sich nicht von leuchtenden Scheinblaus auf die falsche Fährte locken zu lassen, von Steinen, die sich wie zur irreführenden Ablenkung vom wahren Lapislazuli in dessen Nähe blau stellten, nur um sich dann am Tageslicht als bröselige Brocken von einem besonders stumpfen Grau zu entpuppen. | Esther Kinsky aus Hain
 
Für Rupprecht den Geiger. Zeichne einen Kreis ins Geviert färbe ihn rot nenne ihn Dreieck | Peter O. Chotjewitz aus Tief ausatmen
 
Sonne, historisch dünn und zag. Und das Obst fällt fällt von den Bäumen. Stille wohnt in blauen Räumen, einen langen Nachmittag. | Georg Trakl aus In den Nachmittag geflüstert
 
Während ich das Ergebnis in Augenschein nahm, kam mir die nächste Farbe in den Sinn. Wieder ganz wie von selbst. Orange. Kein gewöhnliches Orange. Ein feuriges, gebranntes Orange musste es sein, welches ein Gefühl von starker Lebenskraft und zugleich eine Ahnung vom Verfall überreifer Früchte vermittelte. Es war schwieriger herzustellen als das Grün, denn es war nicht einfach nur eine Farbe. Dieses Orange musste fundamental an eine bestimmte Leidenschaft geknüpft sein. Eine mit Menshikis verflochtene, doch zugleich in sich unwandelbare Leidenschaft. Eine solche Farben hervorzubringen war natürlich nicht einfach. Doch am Ende gelang es mir. Ich nahm einen neuen Pinsel und fuhr damit über die Leinwand. Teilweise benutzte ich auch einen Spachtel. Das Wichtigste dabei war, 'nicht zu denken'. | Harumi Murakami aus Die Ermordung des Commendatore I
 
Dieses Gelb war unangemessen. Woher die Farbe kam, konnte Karl sich nicht erklären. Soweit er sich erinnerte, hatte er nichts Gelbes gegessen. Seit zwanzig Minuten kotzte er sich - ja, was eigentlich - aus dem Leib. Kanarienvogelgelb in silberner ICE-Kloschüssel, ganz hübsch, ein schönes Bild für - ach, auch egal. | Anne Reinecke aus Leinsee
 
Es ist ein Himmelblau, aber ich meine damit einen richtigen Himmel, einen tiefblauen Sommerhimmel. | Anne Tyler aus Der leuchtend blaue Faden
 
Denn obgleich die Dunkelheit ihres starken, weichen Haares, das sie seitwärts gescheitelt und nach beiden Seiten schräg von der schmalen Stirn hinweggestrichen trug, nur die Bräune des Kastanienkernes war, so zeigte ihre Haut doch ein vollkommen südliches mattes und dunkles Gelb, und diese Haut umspannte Formen, die ebenfalls von einer südlichen Sonne gereift erschienen und mit ihrer vegetativen und indolenten Üppigkeit an diejenigen einer Sultanin gemahnten. | Thomas Mann aus Luischen
 
Sie saß ein wenig in das gelbseidene Kissen zurückgelehnt, einen Fuß über den anderen gestellt, und rauchte langsam eine Cigarette, wobei sie den Rauch durch die Nase ausatmete und die Unterlippe vorschob. | Thomas Mann aus Der kleine Herr Friedemann
 
Tony nickte in träumerischem Halbschlaf unter ihrem großen, flachen Strohhut und ihrem mit cremefarbenen Spitzen besetzten Sonnenschirm, der bindfadengrau war, wie ihr schlicht gearbeitetes, schlankes Kleid, und den sie gegen das Rückverdeck gelehnt hatte. | Thomas Mann aus Die Buddenbrooks
 
man kann im grünen glas / sehr schön schwimmen / wenn man klein genug ist / zum beispiel eine mücke | Ernst Jandl aus das grüne glas
 
Vom Efeu können wir viel lernen: / er ist sehr grün und läuft spitz aus. / Er rankt rasch, und er ist vom Haus, / an dem er wächst, schwer zu entfernen. // Was uns der Efeu lehrt? Ich will es so umschreiben: / Das Grünsein lehrt er uns. Das rasche Ranken. / Den spitzen Auslauf und, um den Gedanken / noch abzurunden: auch das Haftenbleiben. | Robert Gernhard aus Lehrmeisterin Natur